EXKLUSIV 2010: Manuel Fenn und Adrian Görne im Gespräch


Photograph by Kristina Jessen

Regisseur und LUCAS-Jurymitglied Manuel Fenn und der Protagonist Adrian Görne erzählten am Mittwoch, den 08. September, gemeinsam von ihrer sensiblen und faszinierenden Langzeitdokumentation ADRIANS TRAUM über das Erwachsenwerden Adrians und dessen außergewöhnlichen Traum, ein professioneller Balletttänzer zu werden.

Adrian, wie geht es dir jetzt, ein Jahr nach eurem acht jährigen Dreh? Hast du vielleicht eine neue Leidenschaft gefunden?
Ich habe mein Abitur dieses Jahr beendet und bin jetzt nebenbei Hobbytrainer im Fitnessstudio. Es macht mir wirklich viel Spaß mit den Leuten dort zu arbeiten und es ist schön, positives Feedback zu bekommen. Ab Oktober werde ich dann Germanistik und Philosophie/Ethik auf Lehramt an der Humboldt Universität in Berlin studieren. Ich bin schon sehr gespannt, was mich dort erwartet.

Bist du denn immer noch ein „Fan“ von Ballett und schaust es dir gerne an?
Nach wie vor sehe ich mir Ballett gerne an, auch wenn ich ab und an die Wehmut nicht unterdrücken kann, weil man in seltenen Momenten auch selber gerne auf der Bühne stehen würde. Aber ich habe für mich in den letzten Jahren gelernt, dass es am wichtigsten ist, Familie und Freunde gesund und munter um sich zu haben. Diese Menschen stehen hinter mir, egal in welcher Lebenssituation ich mich befinde, und nur dadurch habe ich immer wieder die Kraft gehabt, nicht aufzugeben. Nur durch diese Menschen konnte ich meinen Traum so leben, wie ich es getan habe.

Nun eine Frage an Dich, Manuel. Wie bist Du auf die Idee gekommen, diese Dokumentation zu machen?
Meine erste Idee war es, eine Langzeitdokumentation zu machen und ich bin im Zuge dessen in dem Ballettsaal gelandet, in welchem Adrian seinen Eignungstest gemacht hat. Dort wurde ich auch prompt von seinem Papa angesprochen, der dachte, ich sei auch ein Vater von einem Kind, welches dort vortanzen würde. Er war sehr gesprächig, erzählte mir viel aus seinem Leben und so fiel der Groschen automatisch. Ab diesem Zeitpunkt war es klar, dass ich diesen ambitionierten Jungen und seine Familie bei der Realisierung dieses Traumes begleiten möchte.

Wie viel Zeit hat der Dreh in Anspruch genommen beziehungsweise wie viele Drehtage hattet ihr insgesamt pro Jahr?
Wir hatten fünf Drehtage pro Jahr, also ca. 40 Drehtage im Schnitt. Daraus ergaben sich 80 Stunden Rohmaterial, das selektiert werden musste. Wir sind so vorgegangen, dass wir zunächst alles verwendet haben, von dem wir dachten, dass es „gut“ ist. Allerdings wurden daraus insgesamt drei Stunden, was immer noch zu lang war. So hieß es also erneut selektieren und runterkürzen auf ein gängiges Filmformat. Aber jetzt bin ich mit dem Resultat sehr zufrieden.

Adrian, warst du beim Schneiden des Filmes dabei oder konntest du mitentscheiden, welche Szenen miteinbezogen werden?
Ich habe den Film selber auch erst in fertiger Version gesehen, vertraue Manuel aber voll und ganz in dem, was er tut. Demnach bin ich ebenfalls sehr zufrieden mit unserem Film.

Was für ein Gefühl war es, immer wieder gefilmt zu werden?
Das Filmen wurde nach und nach immer normaler, also war’s im Großen und Ganzen überhaupt nicht nervig. Außerdem wurde es von Manuel und dem Team immer akzeptiert, wenn ich meine Ruhe brauchte.

Nun noch zwei letzte Fragen, Adrian: Wie konntest du deinen Traum so intensiv entwickeln und was ist dir, wenn du reflektierst, am Schwersten gefallen?
Ich habe mich schon immer gern zu Musik bewegt. Für mich war und ist die Musik eine Alternative, ohne Worte meine Emotionen auszudrücken. Die Darstellung durch den eigenen Körper hat mich so sehr gereizt, dass mein Traum entstanden ist. Ich spürte schon immer die Leidenschaft, mich auf der Bühne darzustellen und so habe ich begonnen, meinen Traum zu leben und ihm immer mit 100 Prozent nachzugehen. Demzufolge viel es mir unheimlich schwer, die Schmerzen im Fuß zu akzeptieren, aber vor allem die Ungewissheit über meine Zukunft fiel mich am Schwersten, weil ich ein Mensch bin, der sehr gerne plant. Ich möchte aufstehen und wissen: Du machst das, was dir Spaß macht und kannst 100 Prozent geben und nicht nur 50! Dieser Ehrgeiz, für meinen Traum immer alles geben, zu wollen, aber nur die Hälfte geben zu können, hat schließlich zu meiner Entscheidung geführt.

 

Nach einigen Jahren als freischaffender Regisseur und Kameramann, gründete er zusammen mit Stefan Eberlein die Produktionsfirma „Filmbüro Süd“. Innerhalb dieser Produktionsfirma entstanden sensible, vielfach ausgezeichnete und thematisch breit gefächerte Reportagen und filmische Dokumente.

Nachdem Adrian Görne, mittlerweile 19 Jahre alt, mit elf Jahren an der Staatlichen Ballettschule in Berlin aufgenommen wurde, konnte er seinem Traum, Ballettstar zu werden, mit voller Leidenschaft nachgehen. Er hat dieses Jahr sein Abitur gemacht und wird ab Oktober sein Lehramtsstudium in Berlin beginnen.

 

Das Gespräch führte Anna Leimbrinck.

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