EXKLUSIV 2010: Matthias Bruhn im Gespräch

 


Photograph by Kristina Jessen

Am Sonntag, 5. September, besuchte der Regisseur von ENTE,TOD UND TULPE, Matthias Bruhn, die Eröffnung von LUCAS 2010. Wir sprachen mit dem Macher des liebevoll animierten Kurzfilms, der im Eröffnungsprogramm lief.

Wie kamen Sie auf die Idee, von einer Begegnung einer Ente mit dem Tod zu erzählen?
Die Kurzanimation ENTE, TOD UND TULPE ist eine Adaption des gleichnamigen Bilderbuches von Wolf Erlbruch. Wir haben uns bei der Umsetzung stark am Buch orientiert, auf inhaltlicher als auch auf grafischer Ebene. Man erkennt die feinen Linien und verschiedenen Schraffuren aus dem Buch auf jeden Fall im Film wieder.

Wie lange haben Sie gebraucht, um den Film zu produzieren?
Begonnen haben wir im Frühjahr 2009, fertiggestellt war er im Februar 2010 – insgesamt hat es also ungefähr 10 Monate gedauert. Die Animation an sich, an der 10 Leute mitgearbeitet haben, hat 4 Monate in Anspruch genommen.

Gab es eine eigens für den Film komponierte Musik?
Ja, Alexander Flucht hat eine ausdrucksstarke Melodie entworfen. Einerseits ist sie leicht und lenkt nicht von der Handlung ab, aber in manchen Situationen vermittelt sie auch ein wenig melancholisches Gefühl, das die Thematik des Todes mit sich bringt.

Warum wird eine Ente und nicht ein Mensch vom Tod besucht?
Da müsste man Herrn Erlbruch persönlich fragen, aber auf jeden Fall bietet die neutrale Figur einer Ente Identifikationsmöglichkeiten für jedermann – Erwachsene und Kinder, Mädchen und Jungen fühlen sich von der Problematik gleichermaßen angesprochen. Eine männliche Hauptfigur zum Beispiel spricht eher die männlichen Zuschauer an, mit einer weiblichen Figur können sich eher die weiblichen Zuschauer identifizieren.

Was hat die Tulpe zu bedeuten?
Ich denke, die Tulpe stellt für Wolf Erlbruch ein intuitives Symbol für den Tod dar. Die Tulpe erscheint ganz am Anfang, als der Tod am Teich ankommt. Dann entwickelt sich eine zarte Freundschaft und die Tulpe spielt keine große Rolle. Erst wieder am Ende taucht die Tulpe auf. Als der Tod die Blume auf die gestorbene Ente legt, wirkt diese wie ein Zeichen für die Arbeit des Todes.

Was dürfen wir in Zukunft von Dir erwarten?
Mein Partner Richard und ich haben eine Trickfilmfirma, TrickStudio Lutterbeck GmbH in Köln, mit der eine europäische Koproduktion in Arbeit ist: MOLLY UND DAS WEIHNACHTSMONSTER. Vielleicht wird er ja im nächsten Jahr bei LUCAS dabei sein?

Der studierte Grafikdesigner wurde 1962 in Bielefeld geboren und hat schon an vielen Filmen mitgewirkt. Seit 1998 ist er Geschäftsführer des Trickstudio Lutterbeck.

 

Das Interview führte Deborah Haase.

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